Revolution von 1848/49 in Hessen

Die hessischen Staaten, Nassau, Waldeck und Frankfurt

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Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783737404969
Sprache: Deutsch
Umfang: 264 S.
Format (T/L/B): 2.5 x 21.5 x 15 cm
Auflage: 1. Auflage 2022
Lesealter: 18-99 J.
Einband: gebundenes Buch

Beschreibung

Die Revolution von 1848/49 bildete eine grundlegende historische Weichenstellung in der deutschen und europäischen Geschichte. Die Ereignisse auf dem Gebiet des heutigen Hessen spielten dabei eine herausragende Rolle. Hier fasste die revolutionäre Bewegung besonders früh Fuß und fand viele Anhänger, hier ereigneten sich überregional bedeutende Zusammenkünfte, und in der Frankfurter Paulskirche trat das erste deutsche Parlament zusammen, das erstmals Grundrechte für alle Deutschen in Kraft setzte. 1848/49 ist von zentraler Bedeutung für die Geschichte von Demokratie und Freiheit auch in Hessen, dessen Einheit als Land damals gefordert wurde. Das Buch informiert über die Vorgänge und den Revolutionsalltag in Hessen während der Ereignisse von 1848/49, über demokratische Traditionen sowie Akteurinnen und Akteure. Es verdeutlicht, wie wichtig die Revolution trotz ihres Scheiterns bis heute für unsere demokratisch verfasste Gesellschaftsordnung und ein Leben in Freiheit ist.

Autorenportrait

Michael Wettengel, geb. 1957, Doktorarbeit 1989 über Die Revolution von 1848/49 im Rhein-Main-Raum, die 1989 und 1991 preisgekrönt wurde. Zunächst Archivar am Bundesarchiv und Lehrbeauftragter an der Archivschule Marburg, seit 2002 Direktor des Hauses der Stadtgeschichte - Stadtarchiv Ulm, seit 2008 auch Honorarprofessor für Neuere Geschichte an der Universität Tübingen. Er ist Mitglied der Historischen Kommission für Nassau und der Kommission für geschichtliche Landeskunde Baden-Württemberg.

Leseprobe

Die Revolution von 1848/49 gehört zu den zentralen Ereignissen der Geschichte der deutschen Demokratie. Zu Recht wird immer wieder das freiheitliche und demokratische Potenzial von 1848/49 betont, das beispielsweise in revolutionären Volksbewegungen, in der Herausbildung demokratischer Parteien, erweiterten Partizipationsmöglichkeiten, einem freien Pressewesen und in der Verfassungsschöpfung der Nationalversammlung zum Ausdruck kam. Durch das Werk der revolutionären Nationalversammlung wurde in Deutschland der Anfang eines verfassungsrechtlichen Wegs beschritten, der letztlich trotz Zäsuren und Umwegen bis zu dem im Grundgesetz verfassten, demokratischen Verfassungsstaat mit garantierten Grundrechten und föderalem Staatsaufbau führte. 1848/49 markierte auch eine Zäsur in der europäischen Geschichte, bei der deutlich wurde, wie sehr der Kontinent vernetzt war und die Akteure miteinander kommunizierten. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs bildete sie den letzten Versuch einer revolutionären Veränderung von Staat und Gesellschaft in Deutschland. Angetrieben durch soziale Nöte und das Verlangen nach politischer Mitsprache und nationaler Selbstbestimmung zwangen revolutionäre Bewegungen im Frühjahr 1848 die Regierungen vieler Länder zum Rücktritt, so auch in den deutschen Staaten, wo die Nachrichten über den Umsturz in Paris Auslöser der Unruhen waren. Mehrere Revolutionsbewegungen mit unterschiedlichen Zielen, Trägerschichten und Aktionsformen kamen hier zusammen: Die nationale und liberale Einigungs- und Verfassungsbewegung des Bürgertums, die agrarische Protestbewegung der Landbevölkerung und die soziale Protestbewegung städtischer Handwerker und Unterschichten. Zu den Ergebnissen der neueren Forschung zählen die Einsicht in die gesamteuropäische Dimension von 1848/49, aber auch das vertiefte Verständnis für die Komplexität und die regionalen Besonderheiten von 1848/49, sodass eher von 'Revolutionen' als von einem singulären Ereignis zu sprechen ist. Die Revolutionszeit war demnach aus erfahrungsgeschichtlicher Perspektive ein Lernprozess, der neue Möglichkeiten der politischen Partizipation eröffnete. Die Komplexität der Krisensituation von 1848, die besonders in Deutschland durch vielfältige soziale Probleme, die Herausforderung einer deutschen Nationalstaatsbildung und differierende Vorstellungen bei der Schaffung einer freiheitlichen Verfassung gekennzeichnet war, trug allerdings auch wesentlich zum Wiedererstarken von Militär und Monarchen und schließlich zum Scheitern der Revolution bei.